bikablo® posters – Interview mit Martin Haussmann

Veröffentlicht am: 3. März 2021

Der Name Martin Haussmann ist den meisten von euch wahrscheinlich bereits ein Begriff. Der Vollständigkeit halber erklären wir trotzdem kurz, warum gerade er so viel zum neuen bikablo® posters sagen kann. 😉

 

Der liebe Martin ist nämlich eines der europäischen Urgesteine in der Branche und nicht nur Autor von UZMO – Denken mit dem Stift, sondern auch Gründer von bikablo®. Und da schließt sich der Kreis, denn er war bei der Entwicklung des neuen Visuellen Wörterbuchs natürlich wieder ganz vorne mit dabei und kennt es in- und auswendig. Conny Schwegler aus dem Schweizer Neuland-Team hat ihn deshalb kurz vor der Veröffentlichung interviewt.

 

Übrigens: Wenn du bikablo kennenlernen möchtest, empfehlen wir die neue kostenlose Online-Serie von „bikablo meetup“ in Deutsch und Englisch. Das nächste deutsche Event – Iconize it! Ideen und Begriffe in Bilder verwandeln – findet am 08. März statt. Und zum Thema Plakatgestaltung gibt es dieses Jahr auch eine Neuheit: Die 99 Minuten Visual Skills Trainings finden immer um 10:00 auf Deutsch statt.

 

 

Lieber Martin, sehr bald erscheint das Visuelle Wörterbuch „bikablo® posters“. Es ist nach bikablo 1, bikablo 2.0 und bikablo emotions das vierte Buch in dieser seit Jahren immens erfolgreichen Reihe in enger Zusammenarbeit mit Neuland. Was ist das Besondere an diesem neuen Werk?

Tja, Conny, besonders ist schon mal die Entstehungsgeschichte! Wir haben nämlich die bikablo-Trainer/innen und Visualisierer/innen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, das global Trainer Team und unsere vielen Tausend Alumni aufgerufen, mitzuarbeiten. Unser Ziel mit dem Buch ist ja, Menschen die Gestaltung der unterschiedlichsten Plakate zu erleichtern. Und deshalb haben wir die bikablo-Community gefragt: „Was sind eure Lieblings-Plakat-Vorlagen? In welchen Kontexten setzt ihr sie ein? Welche Methoden sind mit ihnen verbunden?“. Die Einsendungen waren dann eine der Quellen, aus denen wir die Ideen für bikablo® posters geschöpft haben. Es ist also wieder ein Visuelles Wörterbuch aus der Praxis für die Praxis.

 

Das erwartet euch im neuen bikablo® posters!

 

„Wir“ bedeutet: Es waren auch in der Konzeption und Gestaltung mehrere Leute beteiligt?

Du kennst uns ja seit Jahren und weißt: Wir sind eine Gemeinschaft Gleichgesinnter mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten. Bei diesem Projekt habe ich mit Stefan Böker aus dem Trainer/innen-Kernteam als Bilderfinder und Illustrator und Julie Junginger aus dem bikablo Büro als Grafikerin zusammengearbeitet. Und natürlich gab es jede Menge Rat und Tat von meiner Geschäftsführungs-Kollegin Karina Antons und dem Büroteam in Köln.

 

Erzähl uns etwas über den Anlass, ein Visuelles Wörterbuch extra für die Gestaltung von Plakaten zu machen!

Wir machen ja Trainings und Produkte, bei denen wir wissen, dass die Menschen sie brauchen. Auch in diesem Fall kam der Impuls von den vielen Menschen unserer Umgebung. „Auch mit den Piktogrammen und Figuren aus den bikablo-Büchern fällt es mir schwer, daraus ein starkes Flipchart zu zeichnen!“, heißt es oft. Oder: „Mein Graphic Recording-Plakat sieht so durcheinander aus, wie kann ich das ändern?“ Natürlich ist es das einfachste, bei uns ein basics-Training zu besuchen, oder einen unserer Fortgeschrittenen-Kurse, die wir ja auch zusammen mit Neuland Schweiz* anbieten. Doch das klappt natürlich nicht bei allen. Deshalb hier nun ein Buch, das als allererstes unsere handwerklichen Tipps zur Plakatgestaltung zusammenfasst und die Lesenden dann auf eine Entdeckungsreise durch die wunderbare Welt der selbst gezeichneten Plakate mitnimmt.

*Anmerkung der Redaktion: Bikablo Kurse gibt’s natürlich auch regelmäßig im Neuland Headquarters in Eichenzell.

 

Hilfreiche Tipps für Anfänger und Fortgeschrittene: Auch die Basics dürfen nicht fehlen.

 

Kannst du uns kurz auf diese Reise mitnehmen? Was erwartet uns in „bikablo® posters“?

  • Kapitel 1 sind die wichtigsten 12 Tipps zur Flipchartgestaltung. Mit Grundlagen wie „einen sauberen Strich zeichnen“ über ein kurzes Schönschreib-Training und dem Umgang mit verschiedenen Farbtechniken gibt’s hier auf 24 Seiten einen kleinen Visualisierungs-Grundkurs.
  • Für das nächste Kapitel haben wir vom Begrüßungs-Flip bis zum Auswertungsplakat eine Runde durch die „Flipchart-Klassiker“ eines typischen Meetings oder Trainings gedreht und dafür frische, einfach nachzuzeichnende Vorlagen entworfen.
  • Kapitel 3 versammelt die 10 besten Bildplakate aus unserer Arbeit (Berg, Ballon, Eisberg und so weiter) als elementare Vorlagen und gibt verschiedene Anwendungsbeispiele.
  • Dann folgt ein kurzes überarbeitetes Intermezzo aus unserem Bestseller „UZMO – Denken mit dem Stift“ zur inhaltlichen Konzeption von Arbeitsplakaten und mein persönliches Lieblingskapitel „Methodentemplates“.
  • Den krönenden Abschluss bilden 10 neue Bildwelt-Vorlagen. Hier hat unser Ideen-Magier Stefan bekannte und ungewöhnliche Bildmetaphern zu konkreten Plakatentwürfen für Visual Storytelling und Graphic Recording ausgearbeitet. Hast du schon mal ein Strategieplakat am Nordpol stattfinden lassen? Oder ein 360-Grad-Feedback von einem Satelliten aus dem Erdorbit aus?

 

Nicht von dieser Welt: Die Bildwelten beinhalten außergewöhnliche Vorlagen.

 

Das klingt wirklich sehr spannend, Martin. Aber sag noch kurz: Warum ist das „Methodentemplate“-Kapitel dein Favorit?

Es war für mich das aufwändigste Kapitel des Buchs – und deshalb auch der Grund, warum wir die Veröffentlichung immer wieder verschieben mussten. Die Grundidee stammt aus unserem Curriculums-ModulVisual Meeting Facilitation“: Wie kann ich während eines Gesprächs schnell ein Denkmodell ans Flipchart zaubern, das einen Perspektivwechsel einleitet und dem Gespräch einen neuen Rahmen gibt? Und wie gestalte ich dieses Denkmodell so, dass es gleichzeitig ein „Behältnis“ für die Beiträge der Teilnehmenden ist? Das ist ein wahnsinnig interessanter Ansatz. Die Methoden dahinter stammen aus diesem Trainingsformat, aus unserer beratenden Arbeit als visuelle Prozessbegleiter/innen und unserer Community. Dazu kamen noch Beratungsklassiker wie das Kanban-Board oder die Business Model Generation Canvas, denen wir ein neues Gesicht gegeben haben.

 

Kannst du dafür ein Beispiel nennen?

Du kennst ja sicher das „Innere Team“ von Schulz von Thun. Ich kann das z. B. einem Coachee natürlich verbal vermitteln. Viel mehr Kraft kann es entfalten, wenn ich es beim Erklären schnell ans Flipchart zeichne und es den Coachee dann fragen lasse: „Welche Situationen fordern dich heraus? Welche Team-Mitglieder hörst du dann in dir? Und wie möchtest du damit umgehen?“ Solch ein in einem bedeutungsvollen Dialog entstandenes Plakat nehmen Menschen dann gerne als „Veränderungsanker“ mit nach Hause. Methodenplakate kann man natürlich als Vorlage in ein Coaching, Meeting oder eine Großgruppenkonferenz mitbringen. Oder, wie hier vorgestellt, mit etwas Übung, spontan im Dialog aufs Blatt skizzieren. Deshalb haben wir sie auch ganz einfach gehalten und erklären den Aufbau Schritt für Schritt in kleinen Extra-Skizzen.

 

Martins Favorit: ein Auszug aus dem Kapitel „Methodentemplates“

 

Mich macht das alles sehr neugierig und ich freue mich auf das erste Exemplar, das ich hier in Händen halten werde! Noch eine kurze Frage zum Abschluss: alles nur für Flipchart und Pinnwand?

Gute Frage, Conny! Im ersten Entwurf war das tatsächlich unser Fokus, denn als bikablo „waren“ wir eine sehr analoge Firma. Die Corona-Distanzregeln haben allerdings auch für uns einen wichtigen Lernschritt hin zum virtuellen Lernen bedeutet. Deshalb haben wir viele Plakatvorlagen in „bikablo posters“ extra so gestaltet, dass man sie auch sehr gut am Tablet zeichnen und dann online, zum Beispiel als Hintergrund für ein Kollaborations-Tool wie Mural oder Miro verwenden kann. So, wie wir und viele Kolleg/innen das inzwischen ja schon fast standardmäßig machen.

 

Wir freuen uns drauf! Vielen Dank für das Gespräch – und liebe Grüße von Rotkreuz/Schweiz zu bikablo® nach Köln!